Ein kleines Interview mit Andre von Schmidtsingen – das Mitsing-Konzert welches einmal im Quartal im Hahnheiser stattfindet.

Andre, was ist Schmidtsingen? Wie läuft so ein Mitsing-Konzert denn ab?

ANDRE SCHMIDT: Das ist leicht erklärt: Ich begleite auf der Gitarre, das Publikum singt dazu recht bekannte Lieder. Die Songtexte projiziert der Beamer an die Wand. Wenn ich so ein Konzert vorbereite, sind mir zwei Dinge sehr wichtig. Da wären zunächst mal die Lieder selbst: Natürlich sollten sie bekannt sein, aber noch nicht zu abgenudelt. Wenn ein Lied eine große Melodie und eine Extra-Portion Charme hat, ist es ein guter Kandidat für meine Setliste. Die zweite Sache ist die Gleichberechtigung für singende Herren – ich war schon auf Mitsing-Konzerten, auf denen die Männerstimmen gar nicht zum Zuge kommen konnten, weil die Tonarten einfach nicht passten. Deshalb habe ich Tonarten gewählt, die für so viele Leute wie möglich passen.

Wie sieht deine Setliste denn konkret aus?

Jedes Mal anders. Die meisten Lieder sind auf Deutsch, wir singen aber auch auf Englisch, ein ganz klein wenig auf Französisch und natürlich auf Kölsch. Und es sind nur Lieder im Programm, die ich persönlich mag: ein Volkslied mit einem zeitlos schönen Text oder ein besonders beseelter Beatles-Song. Ich würde sagen, es sind Lieder zum Schwelgen und zum Schunkeln, aber niemals zum Gröhlen.

Also singen die Leute zwei Stunden ohne Unterbrechung?

Fast. Es gibt zwei Pausen von ungefähr 10 Minuten. Außerdem moderiere ich die Stücke an. Das hat ein bisschen was von Kneipenquiz: Ich erzähle kurze Geschichten zu den Liedern und ihrer Entstehung. Dabei kann das Publikum schon mal raten, um welchen Song es sich handelt.

Wohnst du in Nippes?

Ja, mit der Unterbrechung von einem England-Jahr wohne ich jetzt schon fast zwanzig Jahre in Nippes. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da musste man Neu-Kölnern noch erklären, wo Nippes denn genau liegt. Das ist heute definitiv nicht mehr so. Selbst im Umland ist unser geliebtes Viertel mittlerweile bekannt. Ich bekomme oft ein anerkennendes Nicken, wenn ich sage, dass ich in Nippes wohne.

Warum macht dir Schmidtsingen so viel Spaß?

Ich bin seit mehr als zehn Jahren Berufsmusiker. Ich liebe es, live zu spielen. Allerdings bin ich auch oft mit Bands unterwegs, die für eine spezielle Dienstleistung gebucht werden. Dann müssen wir ziemlich leise den Hintergrund bespielen – auf Messen oder in Autohäusern. Mitsing-Konzerte sind das Gegenteil davon. Sie sind viel lebendiger: Die Leute wollen, dass die Musik im Vordergrund steht. Ich dachte zuerst, ich muss das Publikum erst mal aufwärmen. Aber das war bisher noch nie so. Alle sind sofort dabei, alle strahlen, alle singen mit, vom ersten Song an. Ich staune, wie schnell good vibrations entstehen!

Glaubst du, wir sollten alle viel mehr singen?

Unbedingt! Und überhaupt sollten wir alle mehr Musik machen. Nichts gegen Musikhören, aber es macht so viel mehr Spaß, selber zu singen, zu trommeln, zu zupfen, zu tröten, zu streichen – was auch immer. Leider steht uns der Perfektionismus dabei manchmal im Weg. Im Guten wie im Schlechten ist der Perfektionismus ja Teil unseres deutschen Nationalcharakters. Darin liegt vielleicht die Magie der Mitsing-Konzerte: Leute müssen sich keine Sorgen machen, ob sie perfekt singen können. Es kommt nur darauf an, dass sie überhaupt singen. Zu ihrem Erstaunen stellen sie dann fest, dass sie gar nicht mal schlecht klingen.

Was passiert, wenn viele Menschen gemeinsam singen?

Es gibt zahlreiche Studien, die nachweisen, wie gesund das Singen ist. Und dieser Effekt ist sogar noch größer, wenn man mit vielen Leuten zusammen singt. Ich muss aber zugeben, dass ich persönlich noch nie irgendwas gemacht habe, weil es so gesund sein soll. Schon gar nicht auf ein Konzert gehen. Sehen wir es doch lieber so: Musik ist Voodoo – hat also durchaus was mit Heilen zu tun, aber ebenso mit Magie und Rausch. Beim gemeinsamen Singen entsteht etwas Größeres als die Summe vieler Stimmen: eine spürbare Resonanz, auf die sich alle einschwingen. Und in einem solchen Moment fühlt man sich eben sauwohl. Ich glaube, in Köln weiß das eh jeder.

Wo kann man dich als nächstes sehen? Spielst du auch außerhalb von Köln?

In Nippes spiele ich einmal pro Quartal im Hahnheiser. Der nächste Termin ist am 27.04.2017. Kommt unbedingt vorbei – der Eintritt ist frei, und die Stimmung beim letzten Mal war umwerfend! Ansonsten bin ich auch mit anderen Besetzungen unterwegs. Zusammen mit Armin Bings, der aus der Lesebühnen-Szene kommt, habe ich ein Programm mit selbstgeschriebenem Material: Armin liest seine eigenen Texte, ich spiele meine eigenen Songs. Außerdem gibt es mit Schmidtsingen viele Termine im Umland, zu finden auf meiner Seite: www.andreschmidt.net

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