Einkaufen wie früher – in der Bäckerei Güsgen. Wenn man die Bäckerei betritt, fühlt man sich schon ein wenig in die neunziger Jahre zurück versetzt, denn nicht nur die Einrichtung ist schon etwas älter, sondern auch die Kasse ist wohl etliche Jahrzehnte alt.

Bäckerei Güsgen in Nippes

Immer mal wieder hatte einer zum Frühstück etwas von der Bäckerei mit gebracht und ich fand es einfach lecker. Da ich ja selbst aus einer sehr alten Traditionsbäckerei stamme, ist es mir immer wichtig, dass noch Tradition gewahrt wird und noch vieles händisch bzw. handwerklich hergestellt wird. Was meiner Meinung nach bei vielen Sachen dort der Fall ist.

Als ich dann endlich mal selbst letzte Samstag die nötige Energie am Morgen aufgebracht hatte um dort die Brötchen zu holen, war natürlich schon fast alles weg, aber da mache ich niemals dem Geschäft einen Vorwurf, sondern immer dem Kunden, also mir, denn ich bin ja so spät aufgestanden. Wenn man das Dahinter seit Kindestagen an selbst mitbekommt, sieht man alles etwas anders beim Einkaufen.

Ich habe mich also für ein paar der letzten Waren entschieden und beim Wechselgeld kam direkt ein Gespräch auf und vom Hölzchen auf’s Stöckchen hatte man direkt eine nette Unterhaltung. Irgendwie gehört das auch Samstags morgens dazu. Oder nicht?

Die Bedienungen waren freundlich und die Preise meiner Meinung nach gerechtfertigt. Auf Yelp und anderen Plattformen hatte ich mich nach Rezensionen umgeschaut und musste sehen, dass einige nicht mit der Qualität und der Handhabung einverstanden waren. Es wurde sich pikiert, dass keine Handschuhe bei den Verkäuferinnen getragen wurden und das die Qualität nicht so gut ist, weil die Brötchen Abend schon trocken wären.

Immer öfter werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Kunden einfach durch die Chemie und die Zusatzstoffe dermaßen verwöhnt sind, dass man Qualität als schlecht empfindet, da die Vorgaben der Industrie nicht eingehalten werden. Das fängt an mit Vitamin C im Mehl, Zitronensäure und Stabilisatoren, die schon in vielen Bäckereien eingesetzt werden, damit Haltbarkeit und Frische künstlich in die Länge gezogen werden. Ich mag mein Brötchen oder Brot lieber natürlich und dann darf das Brötchen gerne nach 8 Stunden daheim trocken sein.

Auch gibt es diesen ewigen diesen „Brot muss fluffig und weich sein“ Trend. Hier muss ich anmerken, dass der Geschmack von Brot und gerade von einem Brot mit viel Roggenanteil erst nach 2 Tagen richtig hervorkommt. Das ist im Normalfall dann, wenn der Durchschnittsverbraucher sein Brot wegschmeißt weil es „trocken“ ist.

Zu dem oben genannten Handschuhverhalten habe ich auch eine feste Meinung. Jahrhunderte wurden Brot und Brötchen ohne Handschuhe verkauft, es hat auch niemandem geschadet. Schon mein Kinderarzt hat gesagt: „Ein Löffel Dreck am Tag ist gesund.“ Ist vielleicht hier auch gerade nicht das richtige Thema, denn die Bäckerei war äußerst ordentlich und hygienisch einwandfrei. Nicht das ihr mich falsch versteht.

Von der Ware und dem Ambiente bin ich begeistert und geh dreimal lieber dorthin als zu einem Massenwaren-Bäcker oder einer Kette. Wenn es Handwerk ist, ist es nicht jeden Tag perfekt, aber jeden Tag besser.

Dies hier drückt meine persönliche Meinung aus und kann gerne in den Kommentaren aufgenommen werden. Mich interessieren auch immer andere Meinungen und verschiedene Blickwinkel.

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