2019 sind es nun 10 Jahre, die ich in Nippes lebe. Viele wissen, was sich alles verändert hat und nicht immer zum Guten. Mir fehlt vor allem die Diversität im Veedel!

Welche Veränderungen habe ich erlebt?

Vieles hat sich in den 10 Jahren verändert, erst zuletzt hatten wir im Freundeskreis überlegt, was denn früher so anders war. Wir hatten einen Woolworth (jetzt ein Rewe), es gab den kleinen Briefmarken- und Münzladen in der Steinbergerstraße, die Reinigung auf der Kempener Straße und viele mehr, die einfach zum Bild des Veedels gehörten. Da fallen Euch sicher noch ganz viele andere ein, schreibt Sie gern in die Kommentare…

Gefühlt hat sich gerade in den letzten 3-4 Jahren vieles geändert und damit auch vereinheitlicht, was nicht unbedingt zum Vorteil von Nippes wurde. Immer mehr Bio, mehr Vegan – an sich schön und gut, aber gleichzeitig sind damit viele unterschiedliche Charaktere in Läden verschwunden. Nicht falsch verstehen, die Entwicklung an sich, zu nachhaltigerem Leben begrüße ich, auch weil ich selbst Pescetarier (esse seit über 15 Jahren maximal Fisch, sonst kein Fleisch), aber eine Verlagerung in ausschließlich diese Richtung, kann einem Viertel nur schaden.

„Nippes, du warst mal cool – jetzt bist du nachhaltig.“

Als ich nach Nippes zog vor eben diesen 10 Jahren lagen die Mieten bei 6-7 EUR pro qm, jetzt kann man sich sowas nur noch in den Träumen vorstellen. Unsere Autofreie Siedlung parkt drumherum alles zu. Alte Gebäude werden abgerissen und zu neuen Luxus-Apartments oder sogar AirBnB Wohnungen umgebaut. All das führt dazu, dass unser kleines Veedel mehr zum Anziehungspunkt für eine neue Zielgruppe wird. Man vergisst dabei nur, dass was bisher alle so begeistert hat und erst angezogen hat, nun so langsam verschwindet.

Restaurants öffnen und schließen so schnell wieder, dass man nicht mal schafft, sie überhaupt zu besuchen. Gerade hier wünschte ich mir mal mehr Nachhaltigkeit in den Konzepten.

Trotzdem würde ich nicht wo anders leben wollen

Leben heißt Veränderung und die Veränderung wird nicht durch den Einzelnen gelebt, sondern durch die Gemeinschaft. Wo sich etwas wandelt, wird positives als auch negatives aufkommen – es liegt jedoch an uns, wie wir damit umgehen und uns anpassen. Ich habe natürlich gerade die Beispiele angeführt, die polarisieren und manchmal gar nicht so verkehrt sind, wie sie dargestellt werden.

„Schlimmer als jede Neuerung wäre doch der Stillstand.“

Ich blicke auf 10 schöne Jahre im Veedel zurück und möchte eigentlich keine Minute davon missen. Wäre alles perfekt, wäre es langweilig….